Grundlagen
Filmstationen sind immer nur ein Hilfsmittel zur Wissensvermittlung. Sie dürfen daher a) nicht den Exponaten den Rang ablaufen und b) nicht zum Selbstzweck werden. Beides wird u.a. durch eine sinnvolle mengenmäßige Begrenzung sichergestellt. Als Faustregel kann hierbei gelten, dass die Zahl von maximal drei Medienstationen pro Halle langfristig nicht überschritten werden sollte.
Damit die Filmstationen ihre Rolle als Hilfsmittel der Wissensvermittlung ausfüllen können, müssen sie mit Inhalten bespielt werden, die dazu geeignet sind. Es muss bei den gewählten Inhalten also eine Bindung an Museumskonzept und ggfs. auch direkt an ein Exponat gegeben sein, oder flapsig formuliert: wer den Film sieht, muss dabei etwas lernen. Eine Füllung mit beliebigen Inhalten, nur um „irgendwie multimedial“ zu erscheinen, verbietet sich daher von selbst. Gleichzeitig gilt aber andererseits auch, dass der Einsatz von Filmen durchaus den speziellen Unterhaltungsfaktor dieses Mediums nutzen muss. Ein bewegtes Bild, evtl. noch dazu farbig und/oder mit Ton, soll ja gerade die ruhige, gediegene Atmosphäre des Museums ein wenig auflockern, soll ja gerade mediale Abwechslung bieten. Das bedeutet, dass bei der Auswahl der Filme auch darauf geachtet werden sollte, dass sie einen gewissen Unterhaltungswert bieten.
Im Idealfall werden auf den Stationen daher keine Dokumentationen gezeigt, sondern Film, die ihrerseits einen eigenen Quellencharakter haben. So kann nicht nur anhand der Medienstation etwas über das Exponat gelernt werden, vielmehr bildet das in der Medienstation gezeigte Material selber noch ein Exponat! Dies ist ein oft unterschätzter Mehrwert. Ein Lehrfilm bspw. über die die Panzervernichtungstrupps der Bundeswehr gehört nicht nur in das Museum, weil der Besucher etwas über die Thematik der Panzerabwehr erfährt, was schon Lernwert genug wäre. Der Film selber ist vielmehr in medienhistorischer Perspektive ein genauso legitimes Exponat der Geschichte der Panzertruppe wie die ausgestellten Panzer selber, denn er ist nichts weniger ein Beispiel für die Wissensvermittlungsstrategien innerhalb einer Armee des Kalten Krieges – ein spannender kulturhistorischer Zugang.
Problematisch ist an dieser Darreichungsform die mangelnde Möglichkeit zur Kontextualisierung. Wenn auf den Stationen Propagandafilme oder Werbefilme gezeigt werden, so muss das DPM klar machen, dass es sich der Problematiken dieser Quellenart bewusst ist, sich von deren Stoßrichtung distanziert und die Filme als historische Quelle zeigt. Ansonsten könnte dem Museum ein unkritischer Geist oder (schlimmer noch) absichtsvolles Handeln unterstellt werden. Dies gilt bspw. bei Werbefilmen der Rüstungsindustrie oder bei Lehr- oder Propagandafilmen der NS-Zeit. Hier muss gegengesteuert und abgesichert werden
Technik
Technisch gesehen ist eine Medienstation, die nur Filme abspielt, eine relativ einfache Angelegenheit: Erforderlich sind ein Abspielgerät (aktuell: Flashplayer), ein Flachbildschirm (mit integrierten Boxen) und ein Rahmengestell, das beide Teile integriert.
Zusätzlich muss sichergestellt sein, dass der Besucher selbstständig den Film ohne Probleme zu einem beliebigen Zeitpunkt starten kann. Die Variante Endlosschleife, die in der Werbung oft praktiziert wird, ist für eine Wissensvermittlung nicht geeignet. Der Besucher muss bei dieser Variante im Regelfall eine ganze Weile warten, bis der Film wieder neu startet. Er muss in der Zwischenzeit aber schon den Restfilm im Auge behalten, hat dabei aber den inhaltlichen Faden nicht oder kaum. Und schließlich kennt er dann beim Neustart schon einen Großteil des Films. Derlei unkomfortable Rahmenumstände verhindern ein Lernen eher, als dass sie es fördern. Das kann auch nicht durch den Vorteil der Endlosschleife aufgewogen werden, dass der laufende Film Zuschauer anlockt.
Die Variante Bewegungsmelder ist da schon mehr im Sinne des Museums und wird auch häufig in diesen genutzt, aber auch sie ist eher problematisch: Der Besucher wird in eine Zwangssituation versetzt: Er muss den Film im Moment des Vorbeigehens konsumieren oder er hat Pech gehabt. Eine Friss-oder-stirb-Situation, die ebenfalls dem Lernerfolg nicht zuträglich sein dürfte. Beide Varianten haben zudem den Nachteil, dass eine unnötige Lärmentwicklung entsteht. Das Rahmengestell mit Bildschirm und Flashplayer wird also um einen Knopf ergänzt, der den Film startet.
Zu Beginn eines jeden Filmes muss als Startbildschirm das CD des DPM erscheinen – also die orange-weiße Fläche und das Logo. So wird einerseits ein einheitlicher Rahmen für die ja doch recht unterschiedlichen Filme geboten
Als nächstes muss eine möglichst genaue Titelangabe des Filmes folgen, bei dem auch die Filmgattung explizit genannt werden muss, um den oben erwähnten Kritiken vorzubeugen. Auch dies vor dem orange-weißen Hintergrund mit Logo.
Verteilung
Die Medienstationen müssen einigermaßen frei stehen und Platz für drei bis vier Stühle vor sich bieten. Sitzgelegenheiten im Museum sind ohnehin rar, und da zukünftig auch noch der Medienraum als Rastpunkt entfällt, können die Medienstationen sinnvoll als Ersatz genutzt werden. Gleichzeitig wird durch die Ausrichtung der Medienstationen auf Sitzhöhe auch noch die Barrierefreiheit gewährleistet.
Die Stationen müssen über die gesamte Hallenfläche gleichmäßig verteilt sein, so dass es zu keiner Ballung kommt. So wird einem Geräuschwirrwarr vorgebeugt; gleichzeitig wird sichergestellt, dass die Besucherinnen und Besucher für die Dauer ihres Besuches immer wieder eine mediale Anregung erhalten und so den Besuch als dauerhaft unterhaltsam empfinden. Das bedeutet auch, dass der oben genannte Proporz von Epochen und politischen System erneut bedacht werden muss, da diese beiden Aspekte die Hallenverteilung begründen.
Inhalte
Bei der Wahl der Filme muss sowohl die Filmgattung, die zeitliche (und im Falle des Kalten Krieges: staatliche) Einordnung, der Unterhaltungswert des Filmes, der Quellenwert des Filmes, seine Länge sowie die sinnvolle räumliche Platzierung im DPM berücksichtigt werden. Wenn eine Filmartenmischung angestrebt wird, so sollte das in der Auswahl der Film konsequent bis zum Ende durchgehalten werden und der Filmkanon daher möglichst unterschiedliche Filme vereinen.
Folgende Filme werden daher in den ersten fünf Stationen (Aufstellung März 2010) gezeigt:
“Nach der Tankschlacht von Cambrai” (1917, ca 5min, Standort: A7V)
Bewegte Stummfilmbilder eines britischen Mark-Tanks, der von deutschen Truppen erbeutet wurde und getestet wird. Es handelt sich um seltenes Filmmaterial zu den Tanks des ersten Weltkrieges.Kulturhistorisch interessant ist der skeptisch-spielerische Umgang der deutschen Soldaten mit dem fremdartigen und bedrohlichen, zugleich aber eben auch überwältigten Gerät.
“Auszüge aus Wochenschauen” (1943, ca. 4min, Standort: Tiger-Bereich)
Ausschnitte aus Wochenschauen vom Juli 1943. Gezeigt werden Szenen der Wochenschau, in denen der Panzerkampfwagen VI “Tiger” zu sehen ist. Da das Objekt selber eine schmerzliche Lücke in der Sammlung des DPM ist, wurde hier objektorientiertes Filmmaterial gewählt. Die Wochenschauen sind als propagandistisches Instrument der Nationalsozialisten eine problematische Quelle; ein Vortext weist daher darauf hin. Medienhistorisch ausgesprochen interessant ist die wochenschautypische Verwendung von dramatischer Musik und schneidigem Kommentar
“Unser Heer” (1962, ca. 8min, Standort: M-47)
Auszug aus einem Werbefilm der Bundeswehr. Der eigentlich einstündige Film deckt sehr viele Bereiche des Dienstalltages der Bundeswehr ab. Für die Videostation entnommen ist ein Teil über die Gewichtung der verschiedenen Ausbildungsinhalte in der Grundausbildung. Der Film liefert so (wenn auch kritisch zu betrachtende) Facetten einer Alltagsgeschichte der Bundeswehr, also einer “Militärgeschichte von unten”.
“Entwicklung der Technik: SPW und SPz”(1986, ca. 13min, Standort: BMP/BTR)
Ein technischer Lehrfilm der NVA zur Technik und den Aufgaben von Schützenpanzerwagen und Schützenpanzern. Einerseits sehr erhellend aus der technischen Perspektive, aber auch kultur- und ideenhistorisch eine sehr interessante Quelle, da die Verknüpfung von sozialistischer Ideologie in den Inhalten und gewollt modernistischem Stil in der Mediengestaltung dem Film einen sehr klar erkennbaren, spezifischen DDR-Stil verleihen.
“Der Minenräumpanzer Keiler” (1997, ca. 8min, Standort: Keiler)
Ein Lehrfilm der Bundeswehr über das Minenräumfahrzeug Keiler. Während die anderen Filme dem Besucher zusätzliche Facetten an den Objekten eröffnen sollen, vor denen die Besucherinnen und Besucher stehen, steht bei diesem Film seine ursprüngliche Aufgabe im Vordergrund: Er soll den Zuschauer wirklich belehren, wie das System funktioniert. Dies ist nötig, da sich das komplexe Fahrzeug vielen Besuchern einfach nicht erschließt.
Achtung!
Aus technischen Gründen müssen die Videostationen bei Minusgraden aus den Hallen entfernt werden! Das Angebot steht also in sehr kalten Wochen nicht zur Verfügung!