Geschichte: Munster als Militärstandort

Das Deutsche Panzermuseum in Munster blickt auf eine über 25-jährige Geschichte zurück. Im Jahre 1983 wurde die Lehrsammlung der Panzertruppenschule Munster mit der Genehmigung des Bundesverteidigungsministers in gemeinsamer Trägerschaft mit der Stadt Munster in das deutsche Panzermuseum Munster integriert. Die Geschichte des Museums ist untrennbar mit der Geschichte der Stadt Munster und deren Umfeld vereint. Dabei kommt die Wahl des Ortes nicht von ungefähr, denn die Stadt Munster blickt auf eine über 110-jährige Militärgeschichte zurück. Seit 1893 ist Munster einer der größten Militärstandorte und Truppenübungsplätze in ganz Deutschland. Was prädestinierte die Stadt Munster als militärischen Standort?

Munster in den Jahren 1893-1914

Aufgrund der sich immer schneller weiterentwickelnden Kriegstechnologie, insbesondere auf dem artilleristischen Sektor, wurden Geschütze mit Reichweiten von bis zu 7500 Meter produziert. Ein solches Geschütz war beispielsweise die schwere Feldhaubitze 02 mit einer Reichweite von ca. 7450 Meter. Es waren aber nicht nur waffentechnische und taktische Veränderungen die eine Anlage von großflächigen Arealen von Artillerieschieß- und Übungsplätzen notwendig machte. Auch der umliegenden Bevölkerung musste aufgrund der höheren Leistungsfähigkeit Rechnung getragen werden, was die Anlage weiträumiger Übungsgelände notwendig machte. Aufgrund der geographischen Lage Munsters und dem unfruchtbaren Boden, war die Bevölkerungsdichte im Raum Munster sehr gering. Ein weiterer Aspekt der für die Stadt Munster sprach, war die Eisenbahnanbindung in alle Himmelsrichtungen. Damit konnten Materialien und Truppen schnell und Kosten sparend zum Übungsgelände transportiert werden und bei einer Mobilmachung ggf. schnell zum Ort des Geschehens. Mit der Genehmigung für die Errichtung eine Übungsplatzes durch den Reichstag 1892 stand der Eröffnung im Folgejahr nichts mehr im Weg. Die erste übende Truppe auf dem Truppenübungsplatz war das Oldenburgische Infanterieregiment 91, welches unter dem Kommando des Oberst Paul von Hindenburg, dem späteren Reichspräsidenten, stand. Noch im selben Jahr stieg die Anzahl der Soldaten in Munster auf über 5.000 an. Die Wichtigkeit des Übungsgeländes wird nicht zuletzt dadurch unterstrichen, dass sogar Kaiser Wilhelm II. 4-mal an dem alljährlichen Herbstmanöver teilnahm.

Munster in den Jahren des 1. Weltkrieges

Während der Kriegsjahre des 1. Weltkriegs (1914-1918) wurde der Militärstandort Munster für Kriegsfreiwillige und Ersatzreservisten zur vorübergehenden Heimat. Ab August 1914 trafen die ersten Kriegsgefangenentransporte in Munster ein, wobei die Anzahl bis Oktober bis auf 25.000 Gefangene Anstieg. Später wurde ein Großteil (etwa 18.400) der Kriegsgefangenen in das nahe gelegene Zentral-Kriegsgefangenenlager Soltau verschleppt. Damit konnte die ursprünglich vorgesehene Reservisten-Ausbildung gewährleistet werden.

Der neuartige Stellungskrieg veranlasste alle Armeen, nach Lösungen zu suchen. Neben dem Einsatz von chemischen Kampfstoffen wurden auch erste Panzerkampfwagen eingesetzt. Vorreiter im Einsatz von Panzerkampfwagen waren die Engländer mit dem Tank Mark I. Später zogen die deutschen mit ihrem ersten Panzer, dem A7V nach.

Munster in der Zwischenkriegszeit

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges und der Unterzeichnung des Versailler Vertrages war sowohl die Einfuhr als auch die Herstellung von Panzerfahrzeugen und ähnlichem Material verboten. Der deutschen Reichswehr war es lediglich erlaubt eine Kraftfahrzeugabteilung zu installieren. Da die deutsche Heeresleitung der Überzeugung war, dass Panzer zu einer entscheidenden Waffe geworden waren, plante man frühzeitig die Umrüstung der Kraftfahrzeugtruppe zu einer motorisierten Kampftruppe.

Nach einer großen Explosion von gelagerten Kampfmittel am Gasplatz Breloh, unmittelbar an die Stadt Munster angrenzend, kam es zu schweren Umweltschäden, wobei auch das Gelände des Truppenübungsplatzes Munster-Süd erhebliche Spuren der Vernachlässigung im Zuge der Nachkriegswirren zeigte. Erst ab 1925 war es dann insbesondere die Reichswehr, die auf dem wieder in Betrieb genommenen Truppenübungsplatz Munster-Lager neue Arbeitsplätze schaffen konnte. Im gleichen Zeitraum konnten auch wieder zunehmend größere Manöver abgehalten werden. Die wieder zunehmenden militärischen Aktivitäten sorgten auch für wirtschaftliche Stabilisierung der Stadt Munster. Der militärische Sektor wurde für die Region um Munster zum wichtigsten Wirtschafts- und Umsatzfaktor. Jedoch wurde die Region Munster durch die Weltwirtschaftskrise von 1929-1932 besonders stark getroffen, sodass ein Großteil der Einwohner zu Wohlfahrtsempfängern wurden.

Munster als Geburtsort der modernen Panzerdivision

Erst ab den Jahren 1934-1935 kommt Munster wieder eine steigende Bedeutung zu.

Der Truppenübungsplatz Munser-Nord war ab 1934 der Gasabwehr-Versuchsplatz für Entwicklungsarbeiten des Waffenamtes und Sonderübungsplatz für technische Geländeübungen der Nebel- und Gasabwehrtruppen. Außerdem entstanden im Rahmen der Wiederaufrüstung 1935 weitere Munitionsanstalten („Muna-Ost“ verfüllte Artilleriegranaten, „Muna/Dethlingen“ verfüllte Artilleriegranaten mit flüsssigem Sprengstoff der später erhärtete, „Muna-Süd“ reinigte Granatenhülsen und stellte Infanteriemunition her).

Der Übungsplatz Munster-Lager gilt jedoch als Geburtsort der modernen Panzerdivision und stellt weltweit das erste Auftreten einer geschlossenen Panzerdivision dar.

Um zu beweisen, dass Bewegung und Feuerkraft großer Panzerverbände mit ihren Unterstützungswaffen möglich sei, wurde die Übung einer Übungspanzerdivision auf dem Truppenübungsplatz Munster-Lager angeordnet. Dabei sollten sowohl praktische Erfahrungen über Taktik und Organisation als auch über Bewaffnung und Ausrüstung dieser bisher auf theoretischen Konstrukten beruhenden Idee gesammelt werden. Diese Übung entsprach in vollem Umfang den gewünschten Effekten. Festgestellt wurde u.a.:

„1. Eine Panzerdivision, deren Zusammensetzung im wesentlichen der Übungsdivision entspricht, erscheint nach den bisherigen Erfahrungen verwendungsfähig.

2. Die Geschwindigkeit der Panzerdivision in Marsch und Gefecht erschwert die Führung[...]

3. Nur der tiefgegliederte Masseneinsatz von Kampfwagen, wenn auch in lockeren Formen, verspricht Erfolg. Als Mindestmaß wird der Einsatz einer Panzerdivision auf etwa 3 km Breite angesehen[...]

4. Die Ausbildung von Panzerdivisionen erfordert besondere Berücksichtigung bei der Zuteilung von Übungsplätzen, um den Gefechtsdrill größerer Verbände üben zu können. Man wird hierbei hinsichtlich der Dauer der Zuteilung und der Größe des Übungsplatzes über das bisher gewohnte Maß hinausgehen müssen.“

(Archiv der Panzertruppenschule Munster, Kommando der Panzertruppen Ia Üb Nr. 3670/35 geheim, 24. Dezember 1935, Erfahrungsbericht über die Versuchsübung einer Panzerdivision auf dem Truppenübungsplatz Munster im August 1935.)

Während des Krieges wurde aufgrund des Nahrungsmangels in Munster-Lager ebenfalls zusätzliche Flächen des Platzes mit Roggen, Kartoffeln und Gemüse bestellt. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges Munster-Lager als Sammel- und Bereitstellungslager eine wichtige Rolle. Aufgrund der extremen Überbelegung des Truppenübungsplatzes Munster-Lager ab Februar 1945 kam es zu baulichen Schäden an den Unterkünften, die aufgrund des steigenden Materialmangels kaum zu beheben waren. Im April 1945 wurde Munster schließlich von der 11. britischen Panzerdivision erobert. Die Verwaltung des Ortes Munster wurde auch umgehend von der britischen Militärregierung übernommen.

Munster in der Nachkriegszeit

Als Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, bezogen nun die britischen Truppen die festen Baracken des Hauptlagers. Jedoch diente der größte Teil des Lagers als Unterkunft der zahlreichen deutschen Kriegsgefangenen. Bis Ende 1948 durchliefen etwa 1,5 Mio. Kriegsgefangene die Entlassungsstelle Munster Lager. Ebenfalls wurde von den Briten auf dem Truppenübungsplatz Munster-Lager ein Artillerie-Ausbildungszentrum eingerichtet. Der britische Schießplatz war bis 1958 in Betrieb und wurde danach als „NATO-Artillerie-Schießplatz“ an die Bundeswehr übergeben. Da die leistungsfähigen Geschütze nun eine sehr große Reichweite hatten, mussten diese in sog. „Außenfeuerstellen“ weit außerhalb des Truppenübungsgeländes in Stellung gebracht werden. Von dort aus schossen sie in das Zielgebiet innerhalb des Truppenübungsplatzes. Diese Außenfeuerstellen wurden zunächst von der britischen Militärbehörde in Besitz gebracht, später aber von deutschen Landbesitzern angepachtet. Noch heute stellen sie eine sichere Einnahmequelle für zivile Pächter dar.

Ab Oktober 1951 wurde die II. Abteilung des Grenzschutzgruppe 6 (GSG 6) nach Munster verlegt. Damit war Munster wieder zu einer deutschen Garnisonsstadt geworden. Im Frühjahr 1955 wurden dann die ersten Rekruten nach Munster-Lager einberufen. Im Folgejahr verkündete der Bundesverteidigungsminister, dass Munster zur Ausbildungsgarnison der zukünftigen Panzer-, Panzergrenadier und Panzerjägereinheiten wird. Damit gilt Munster seit diesem Zeitpunkt als größter Standort der gepanzerten Kampftruppen in der Bundesrepublik Deutschland. Im Jahr 1959 erhält die Panzerlehrkampfgruppe ihren heutigen Namen „Panzer (Lehr) Brigade 9“, wobei die Brigade im Frieden der Panzertruppenschule, im Verteidigungsfall der 3. Panzerdivision unterstellt wurde. In den 60er und 70er Jahren wird die Brigade für Hilfseinsätze z.B. bei der Flutkatastrophe an der Nordsee (1962; 1976) oder bei der Waldbrandkatastrophe im Raum Eschede (1975) eingesetzt. Die Truppenstärke der in Munster stationierten Panzerlehrbrigade 9 betrug 1987 5.100 Soldaten, 486 Kettenfahrzeuge und 688 Radfahrzeuge. Mit dem Ende dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts und der Wiedervereinigung 1990 wurde die Truppenstärke verringert und es kam u.a. zur Auflösung der Panzerbataillone 91, 94 und des Feldersatzbataillons 35.

Seit Februar 1958 ist die „Erprobungsstelle 53 der Bundeswehr für ABC-Abwehr“ auf dem ehemaligen Gelände der Heeresversuchsstelle Munster-Nord/Raubkammer eingerichtet. 1975 erfolgte eine erste Umbenennung in „Wehrwissenschaftliche Dienststelle der Bundesrepublik für ABC-Schutz“, am 1.7.1995 die Umbenennung in „Wehrwissenschaftliches Institut für Schutztechnologien-ABC-Schutz“. Die Aufgaben dieser Institution umfasste u.a. die Bereitstellung der technischen und wissenschaftlichen Grundlagen für die ABC-Abwehrfähigkeit der Streitkräfte, sowie die Deckung des Ausstattungsbedarf an ABC- und Brandschutzausrüstung der Bundeswehr. Ab 1981 wurde ebenfalls eine Verbrennungsanlage für schädliche Sonderabfälle mit einer Kapazität von etwa 200 kg Kampfstoffe pro Tag in Betrieb genommen.

Weiterführende Literatur:

Sterner, W., Militär, Gesellschaft, Kommune. Munster 1893 bis 1993, Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Philosophie an der Universität Osnabrück 2004.

Wolter, W., Munster, Munster 1972.

Stadt Munster (Hg.), Deutsches Panzermuseum Munster (Museumsbuch), 2009 (7. Auflage).