Aktuelle Sonderausstellung

“Das überschreitet die Grenzen der Vernunft” – Der Westfeldzug 1940

(10.08.2010 – 30.11.2010)

Werbung Sonderausstellung Mythos Blitzkrieg

Die Kämpfe in Frankreich, Belgien und den Niederlanden werden immer noch mit dem Begriff „Blitzkrieg“ assoziiert. Der Begriff suggeriert, dass eine revolutionäre Strategie von einer hochmodern ausgerüsteten Wehrmacht umgesetzt wurde, während die Alliierten aus Dummheit und Mangel an modernen Waffen von Anfang an zur Niederlage verurteilt waren.

Die Sonderausstellung „Mythos Blitzkrieg“ will hingegen den Besuchern den neusten Stand der historischen Forschung vermitteln. Hier fällt das Urteil deutlich kritischer aus. Der deutsche  Angriff war zwar erfolgreich, aber eine hochriskante Notlösung, die nur aus einer strategischer Schwäche heraus überhaupt versucht wurde. Die deutsche Armeeführung hatte in weiten Teilen ein ähnliches Kriegsbild wie die Alliierten und die Wehrmacht selber unterschied sich im Sommer 1940 in der Masse kaum von der
Armee des Jahres 1918. Die Alliierten verfügten über mehr und besseres Gerät. Die Operation drohte mehrmals zu scheitern und nach Abschluss der Kämpfe weigerte sich die Wehrmacht, den neuen Begriff zu benutzen, weil sie ihn für irreführend hielt.

Ein kritischer Blick auf den Blitzkrieg zeigt, dass er weit weniger revolutionär war, als gemeinhin vermutet wird. Trotz der faszinierenden Schnelligkeit des Sieges war er strategisch und historisch nur eine Episode – ein anachronistisches Relikt des rein operativen Ansatzes in einer Zeit des industrialisierten und totalen Krieges.

Außerdem wird  in der Ausstellung das Bild des „sauberen Krieges“ angekratzt. Die Ausstellung stellt dar, dass viele Millionen Belgier und Franzosen durch den deutschen Angriff zu Flüchtlingen wurden und Wochen und Monate, teils sogar Jahre auf der Flucht blieben. Während dieses Thema in Frankreich zur Schulbildung gehört, ist es in Deutschland ein fast unbekanntes Kapitel. Weiterhin wird thematisiert, dass auch im Westen vereinzelt klar rassistisch motivierte Kriegsverbrechen begangen wurden: an afrikanischen Kolonialsoldaten, die in der französischen Armee kämpften – auch dies in Deutschland erst jüngst erforschtes Gebiet.

Die Ausstellung gliedert sich in 8 Themenbereiche:

  1. Fundamente
  2. Warten
  3. Gelb
  4. Flucht
  5. Rot
  6. Massaker
  7. Kapitulation
  8. Mythos

Diese bestehen aus jeweils 2-4 Tafeln mit Texten, Fotos, Diagrammen und Karten. Dazu kommen einige Exponate.

Fünf Tafeln der Sonderausstellung werden später in die Dauerausstellung integriert und dort einen Vertiefungsbereich “Blitzkrieg” ergeben.

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Das Zitat im Titel stammt von Generaloberst von Bock, im Jahre 1940 Chef der Heeresgruppe B, die in Belgien einmarschierte. Bock stand  den Planungen für das Unternehmen sehr skeptisch gegenüber.